musikalische Lesung mit Jan v. Klewitz (sax), Christian v.d. Goltz (piano) und Dr. Martin Schuck (Moderation)
Die Biografie des Theologen Martin Niemöller ist in vieler Hinsicht kein typischer Lebenslauf des 20. Jahrhunderts. Und doch spiegeln sich in kaum einer anderen Vita die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche von der Zeit des Kaiserreichs bis zur jungen Bundesrepublik so eindrücklich wider: vom U-Boot-Kommandanten im Ersten Weltkrieg zum Pfarrer auf der Kanzel, vom Unterstützer des nationalkonservativen Denkens zum Verfolgten des NS-Regimes und schließlich zum engagierten Friedensaktivisten der jungen Bundesrepublik.
In der Weimarer Republik vollzog Niemöller einen ersten entscheidenden Wandel. Aus dem ehemaligen Marineoffizier, der zunächst nationalkonservativen Positionen nahestand, wurde ein evangelischer Pfarrer, der sich zunehmend mit Fragen von Glaube, Verantwortung und gesellschaftlicher Ordnung auseinandersetzte. Diese Phase markiert den Übergang von militärischer Prägung zur kirchlichen Berufung und legte zugleich den Grundstein für seine spätere kritische Haltung gegenüber staatlicher Macht und ideologischer Vereinnahmung.
Gerade darin liegt auch die Aktualität seiner Biografie: Niemöllers Lebensweg zeigt, wie eng persönliche Überzeugungen, politische Entwicklungen und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verflochten sind – und wie notwendig es ist, eigene Positionen kritisch zu hinterfragen. Seine Erfahrungen mahnen, Gefährdungen von Freiheit und Menschenwürde frühzeitig zu erkennen und sich ihnen entgegenzustellen, anstatt sich von ihnen vereinnahmen zu lassen.
Beispielhaft für den Wandel der Gesellschaft in den ‚goldenen Zwanzigern‘ vom Kaiserreich zur modernen Demokratie möchten wir uns an diesem Abend mit dieser Biografie beschäftigen. Hierfür konnten wir Dr. Martin Schuck, Pfarrer und Mitherausgeber von ‚Martin Niemöller – Ein Lesebuch‘ gewinnen, der durch den Abend führen wird.
Ausschlaggebend für die Idee war auch der Kontakt zu Niemöllers Enkelsohn, Jan v. Klewitz, der im Badehaisel ein gern gesehener Saxophonist ist und den Abend gemeinsam mit dem Pianist Christian v.d. Goltz musikalisch begleiten wird.
Jan von Klewitz wurde 1964 in Zagreb geboren. Er studierte Musik an der Musikhochschule Köln und schloß das Studium 1989 ab. Er spielte u.a. mit dem Deutsch- Französischen Jazz Orchester unter der Leitung von Albert Mangelsdorff, spielte mit Wolfgang Dauner, Alexander v. Schlippenbach, Aki Takase, Evan Parker, Ernst- Ludwig Petrowski, Paul Lovens, Michel Godard, Bill Elgart, mit der Band von Heinz Sauer, in Nils Wülkers Band und mit anderen Jazzgrößen. Er war Gast bei internationalen Festivals, u.a. North Sea Den Haag, Jazzfest Berlin, Jazzfest Bonn und Jazz Baltica Salzau.
Christian von der Goltz wurde 1959 in eine Musikerfamilie geboren, fing mit sechs Jahren an, Klavier zu spielen. Nach einem Studium der Malerei in West-Berlin beschloss er, Jazzmusiker zu werden und brachte sich das Jazzklavier anhand von Schallplatten autodidaktisch bei. Seine Haupteinflüsse waren Erroll Garner, Wynton Kelly, Oscar Peterson, Ray Bryant, Red Garland, Keith Jarrett und Chick Corea.
Aufgrund seiner harmonischen Kenntnisse und seines sensiblen und dynamischen Anschlags ist er ein gefragter Begleiter für Instrumentalisten und Sängerinnen in Berlin.
Er hat drei CDs im Medium des Klaviertrios veröffentlicht, größtenteils mit eigenen Kompositionen, sowie zwei CDs mit seinem Sextett cvdg projekt.
Die Liste der Musiker und Musikerinnen, mit denen er gespielt hat, ist lang und enthält Namen wie Till Brönner, Lisa Bassenge, Judy Niemack, Johan Leijonhufvud, Riccardo del Fra, Bill Petry, Atrin Madani, Peter Weniger, Daniel Hope, Christian von Kaphengst, Rudi Mahall, Olli Steidle, Jan Roder uvm.
Veranstaltung im Rahmen des Kultursommer Rheinland- Pfalz ‚goldene Zwanziger‘
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